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19.11.08

Wahrer Genuss - Vincent Klink.

(mer) Man kann Vincent Klink kennen: seit einem knappen Jahrzehnt gibt er zusammen mit Wiglaf Droste die herrliche kulinarische Kampfschrift "Häuptling eigener Herd" heraus, betreibt ein berühmtes Restaurant, die "Wielandshöhe" in Stuttgart und er taucht öfter als Koch im Fernsehen auf. Allerdings ist er hier so gradlinig, ehrlich, bodenständig und als solider Handwerker unterwegs, dass man sich zwischendurch verdutzt die Augen reibt: in der Flimmerkiste ist wirklich mal ein wahrer Koch und nicht einer, der vielleicht im Leben ein Koch ist, aber in den verschiedenen Kochshows einfach nur noch einen Löffelschwinger darstellt.

Man merkt dem Mann – und das macht ihn zu einer raren Ausnahme seines Berufsstandes jenseits der Mattscheibe – an, dass er Spaß an seinem Handwerk hat. Er nimmt sich auch die Freiheit heraus, etwas vor laufender Kamera missglücken zu lassen, um den Fahler dann in aller Ruhe zu beheben. Schließlich ist Kochen nicht nur Kunst, Wissenschaft, Neugierde und Leidenschaft, es ist immer und immer wieder ein solides Handwerk.

In Klinks Händen wird Kochen aber noch zu mehr. Das Essen verwandelt sich zu einer Philosophie auf dem Teller. Er begründet somit eine materialistische Philosophie, die im Abgang Anklänge von Metaphysik bereithält: das Gericht verzaubert, macht nicht einfach satt, sonder es regt an, macht glücklich und später fragt man sich insgeheim, ob es nicht doch vielleicht einen Gott gibt. Zumindest – das hat man noch in allen Sinnen – gibt es göttlich Bodenständiges.

Denn Klink greift nicht nach den Sternen, oder exotischen Komponenten, er verwandelt die Produkte seiner Heimat, manchmal wesentlich exotischer als manche Zutat aus einem anderen Kontinent, in eine Hommage an das Produkt. Wer seinen Salat von geröstetem Fenchel – um an dieser Stelle lediglich ein Beispiel zu nennen - einmal nachgekocht hat, wird verstehen, was ich meine.

Zum Glück kann man jetzt viele seiner Gerichte nachkochen und dabei eine Menge über die Philosophie dieses scharfsinnigen Schwaben lernen. Man sollte sich aber die Zeit nehmen, das Kochbuch zuerst für sich zu genießen. Denn jede neue Sicht der Dinge erfordert Zeit und Hingabe, damit sie sich im Auge des Betrachters entfalten kann.

Betäubung, also wahre Anästhesie kann durch schlechtes Essen unwillkürlich eintreten, man fühlt sich nicht gestärkt, sondern einfach matt. Ein Essen aber kann so viel mehr, es kann anregen und berauschen, die Sinne beleben, ohne sie zu benebeln.

"Meine Küche" heißt der bei Gräfe und Unzer erschienen Band von Vincent Klink, in dem sich eine komplette Weltsicht verbirgt. Lassen sie sich Zeit. Lesen sie auf jeden Fall Vorwort und Portrait, schon nach dieser Lektüre werden sie innehalten, möchten selbst ein "Kleines Zwischenhoch" in Händen haben und sicherlich noch mehr. Denn schon nach der Lektüre der ersten Seite wissen sie: Genuss ist keine Verschwendung, keine Völlerei, sondern ein sehr überlegter Prozess. Denn gerade der Genuss liegt näher an der Ästhesie, der Anregung als an der Anästhesie, der Betäubung.

Dieses Buch ist ein Fest für die Sinne. Genießen sie es.

(Quelle: mer / Gastrosophie)