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2.12.05

Palasthotel.

In der Zeit der Wende quartierte sich der Spiegel-Reporter Matthias Matussek ein halbes Jahr lang im Zimmer 6101 des Ost-Berliner Palasthotels ein und schrieb dort einige Reportagen. Zeitgleich arbeitete Thomas Brussig, der später als Autor großen Erfolg hatte, dort als Portier und nahm sich - wie er in einem Interview gesteht - Matthias Matussek als Vorbild für eine seiner Figuren im Roman "Wie es leuchtet", der im September 2004 erschienen ist.

Matthias Matussek hat seine Erinnerungen an diese Zeit in seinem Roman "Palasthotel" verarbeitet, das mit dem Untertitel "Reporter im rasenden Deutschland" als "Palasthotel Zimmer 6101" direkt nach der Wende (1991) erschienen und gerade neu aufgelegt worden ist.

DDR-Wissen.de verrät einiges über das Palasthotel, das mittlerweile abgerissen und durch einen Neubau ersetzt worden ist (Radisson SAS Hotel Berlin mit dem Besuchermagneten Aqua Dom), aber nicht alles.

Das Palasthotel gehörte mit einigen anderen Hotels wie dem heute noch existierenden "Hotel Neptun" am Warnemünder Strand in Rostock zu einer Gruppe von Hotels, in denen einerseits Devisen erwirtschaftet werden sollten und die deshalb den Ansprüchen von Reisenden aus dem Westen genügen mußten. Nicht zuletzt wimmelte es dort von Prostituierten und Mitarbeitern der Geheimdienste von Ost und West. Andererseits wurden ab Sommer 1971 DDR-Bürger mit Aufenthalten in diesen Hotels belohnt. Nach der Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker und der auf dem VIII. Parteitag der SED im Juni 1971 als sogenannte "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" beschlossenen Ausweitung der Sozialleistungen durfte das Hotel Neptun wie auch weitere Interhotels vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund sogar als Ferienhotel genutzt werden. Mit diesem Verzicht auf Devisen und der politisch motivierten, ökononomisch jedoch nicht vertretbaren Ausweitung der Sozialleistungen begann der wirtschaftliche Niedergang der DDR, der zur Überschuldung und 18 Jahre später zum Zusammenbuch führte.

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