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23.5.05

Internet und Persoenlichkeit.

Immer mehr Deutsche surfen im Internet: Nach einer Umfrage von TNS Emnid waren 2004 bereits 52,7 Prozent aller Deutschen online. Ob und wie das Internet genutzt wird, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von finanziellen und bildungsbezogenen Voraussetzungen sowie vom Alter der User. Die Internetnutzung ist jedoch auch eine "Sache der Persönlichkeit". Ein von Karl-Heinz Renner, Astrid Schütz und Franz Machilek herausgegebenes Buch "Internet und Persönlichkeit. Differentiell-psychologische und diagnostische Aspekte der Internetnutzung" über den aktuellen Stand der persönlichkeitspsychologischen Internetforschung stellt in fünf Abschnitten mit insgesamt 24 Kapiteln verschiedene Aspekte zum Thema "Internet und Persönlichkeit" dar.

Im ersten Abschnitt des Bandes geht es unter anderem um die Rolle von Persönlichkeitsmerkmalen beim E-Learning. Für eine hohe Effektivität der Mediennutzung in sogenannten virtualisierten Lehr-Lernkontexten ist beispielsweise die computerbezogene Selbstwirksamkeitserwartung entscheidend. Damit ist ein spezifisches Persönlichkeitsmerkmal gemeint: das Vertrauen darauf, computer- und internetbezogene Probleme aufgrund der eigenen Kompetenzen meistern zu können. Solche computerbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen sind bei Männern höher ausgeprägt als bei Frauen und werden auch als eine wichtige Bedingung für den 'Gender Gap' in der Internetnutzung diskutiert, der in einem anderen Kapitel des Bandes im Mittelpunkt steht. Nach wie vor verwenden nämlich Frauen das Internet weniger intensiv und vielfältig als Männer.

Der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Kommunikation im Internet wird im zweiten Abschnitt untersucht. So wird zum Beispiel gezeigt, dass emotional instabile Personen insbesondere bei Konflikten und Meinungsverschiedenheiten E-Mail gegenüber einem persönlichen Gespräch bevorzugen. Extravertierte Personen dagegen kommunizieren gerade in solchen Situationen lieber im direkten Gespräch. Warum ist das so? Emotional instabile Personen sind unter anderem durch soziale Ängstlichkeit gekennzeichnet und werden deshalb in schwierigen sozialen Interaktionen versuchen, ihre Unsicherheit zu reduzieren und die Kontrolle über die Situation zu erhöhen. Dies ist mit e-mail-basierter Kommunikation eher möglich, da hierbei kein direkter Austausch von Angesicht zu Angesicht stattfindet und genauer und länger überlegt werden kann, was zum Ausdruck gebracht werden soll und wie. Extravertierte dagegen werden wegen ihrer höheren sozialen Kompetenz auch bei konflikthaften Kommunikationsanlässen das direkte Gespräch suchen, in dem Meinungsverschiedenheiten schneller und unmittelbarer geklärt werden können als durch einen zeitlich versetzten E-Mail-Verkehr.

Das Internet ist nicht nur ein Raum, um zu kommunizieren, sondern auch eine Bühne, auf der sich Menschen begegnen, um Selbstbilder bzw. Eindrücke zu vermitteln. Dass es um Selbstdarstellung und Eindruckslenkung geht, ist bei bestimmten Internetdiensten, wie z.B. privaten Homepages oder Annoncen auf Online-Kontaktseiten, offensichtlich. Zwei Kapitel im dritten Abschnitt des Buches beschäftigen sich mit diesen "selbstdarstellungsträchtigen" Möglichkeiten des Internet. Private Homepages sind nicht-kommerzielle Web-Seiten, auf denen eine Person ihre private Identität einem sehr großen, potenziell weltweiten Publikum vorstellen kann. Muss man da nicht ziemlich narzisstisch sein, um so etwas zu tun? Offensichtlich nicht! Bei einem Vergleich zwischen Homepage-Besitzern und Studierenden ohne eigene Homepage resultierten keine signifikanten Unterschiede im Hinblick auf Narzissmus. Vielen Homepagebesitzern scheint es zudem gar nicht so sehr darum zu gehen, die eigene Person darzustellen; sie wollen anscheinend vor allem das neue Medium erproben und dabei ihre Computerkenntnisse verbessern.

In einem weiteren Abschnitt werden u.a. die personalen Bedingungen der Internetsucht untersucht. Persönlichkeitsmerkmale, wie z.B. Selbstregulationskompetenzen und Medienkompetenz kommen in Wechselwirkung mit anderen Faktoren als potenzielle Bedingungen sowohl für funktionalen aber auch für dysfunktional-süchtigen Internetgebrauch infrage. Zu klären, welcher Einfluss solchen Personvariablen bei der Internetsucht zukommt, ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Interventionsmaßnahmen.

Im letzten Abschnitt des Bandes wird die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen in der internetgestützten Personalanwerbung und -auswahl, dem so genannten E-Recruiting, erörtert. Bei solchen Formen der web-basierten Personalanwerbung und -selektion werden auch berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale erhoben, deren Relevanz für die Eignungsdiagnostik unbestritten ist. Dabei geht es nicht nur darum, solche Persönlichkeitsmerkmale zu erheben und eignungsdiagnostisch zu verwerten, sondern auch um die möglichst effiziente Rückmeldung der Ergebnisse an die Bewerber und daraus abgeleitete Empfehlungen. Persönlichkeitsmerkmale sind aber auch bedeutsam für die Frage, ob überhaupt und wie sich Personen am E-Recruiting beteiligen. So kann in einem Kapitel gezeigt werden, dass Persönlichkeitsmerkmale wie Leistungsmotivation, Risikobereitschaft und die wahrgenommenen Erwartungen von Unternehmen und Mitbewerbern besonders mit der aktiven Nutzung von E-Recruiting verbunden sind.

Insgesamt bietet das Buch eine persönlichkeitspsychologische Fundierung von "human factors" im Internet. Es ist für alle von Interesse, die in Forschung und Praxis mit dem bzw. über das Internet arbeiten. (Quelle: Pressemitteilung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg).