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20.11.04

Aschingers 'Bierquellen' erobern Berlin.

Im Verlag Regionalkultur ist "Aschingers 'Bierquellen' erobern Berlin" von Karl-Heinz Glaser und Erwin Breitinger erschienen.

Aschinger in Berlin ? das ist eine gastronomische Erfolgsgeschichte, wie sie die Hauptstadt des deutschen Kaiserreiches noch nicht erlebt hatte. Im Jahr 1892 eröffneten die beiden aus Oberderdingen stammenden Brüder Carl und August Aschinger ihre erste "Bierquelle", eine der vielen Stehbierhallen, wie sie im damaligen Berlin typisch waren. Doch streng nach dem Motto "Beste Qualität bei günstigstem Preis" übertrumpfte Aschinger die Konkurrenz mit feinem Gespür dafür, was der eilige Gast mit kleinem Geldbeutel erwartete.

Bis 1900 gab es bereits 30 Bierquellen an den verkehrsreichsten Straßen und Plätzen der Hauptstadt. "Bierwürste mit Kartoffelsalat" und "Löffelerbsen mit Speck" gehörten zu den Rennern, ebenso natürlich wie die berühmten Aschinger-Brötchen, die es kostenlos zum Bier gab.

Karl-Heinz Glaser hat die umfangreichen Quellen des Landesarchivs Berlin ausgewertet und ist den Gründen für den unaufhaltsamen Aufstieg der Brüder Aschinger ganz nach dem Motto "Vom Tellerwäscher zum Millionär" nachgegangen. Geschildert werden aber auch die späteren Krisen des Konzerns, die durch zwei Weltkriege, Inflation und Fehlinvestitionen gekennzeichnet sind.

Viele zeitgenössische Abbildungen vermitteln einen lebendigen Eindruck von der pulsierenden Weltstadt Berlin um 1900. Beschaulich erscheint dagegen die Gemeinde Oberderdingen, in der August und Carl Aschinger in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen sind. Erwin Breitinger schildert in dem Buch die Familiengeschichte der Aschingers, während Thomas Nowitzki den Blick nach vorne richtet und Oberderdingens "Lust auf die Zukunft" beschreibt. Ein Kapitel widmet sich natürlich auch dem Museum Aschingerhaus, das in dem stilvoll sanierten Geburtshaus an die einmalige Leistung der berühmten Söhne und weiterer Unternehmerpersönlichkeiten erinnert.

In ihrem Artikel "Berlin kocht" weisen Wolf Thieme und Siegfried Rockendorf darauf hin, daß die Aschingers ihre Bierwürstchen und Brötchen in einer zentralen Großfabrik in der Saarbrücker Straße produzieren ließen, täglich 30.000 Bierwürstchen und stündlich bis zu 32.000 Brötchen.

In seinem Artikel "Bei Aschinger ? fast wie früher" von Hans Aschenbrenner, in: Berlinische Monatsschrift, beschreibt Hans Aschenbrenner, daß Aschingers großen Wert auf eine vertikale Integration gelegt haben:

"...eine Fleischzentrale, in der die Fleischwaren für die warme Küche vorbereitet wurden, die Verarbeitung zu Wurst, Sülze, Dauerware, Feinkost, Pökelware erfolgte; sogar Mostrich wurde selbst hergestellt; es gab eine Wäscherei (und Seifenherstellung), in der die Restaurationswäsche und die Berufsbekleidung von 6 000 Angestellten gewaschen und in einer Plätterei und Ausbesserungsanstalt gebügelt und überholt wurde, ebenso existierten Tischlerei und Stuhlfabrik sowie Schlosserei und Klempnerei, um auch Küchengeräte und Beleuchtungskörper herzustellen und zu warten; auch das Tafelgerät der Hotels wurde mit eigenen Kräften repariert und aufpoliert."
Dies erwies sich aber später als strategische Fehlentscheidung. Man hätte besser Wert darauf legen sollen, die Gebäude zu erwerben, in denen man die Gaststätten betrieben hat, oder neue Gaststätten auf eigenem Grund und Boden zu errichten. So steigerte die hohe Attraktivität der eigenen Objekte nur die Standortqualität und führte zu steigenden Mieten, die letztlich mit dem Konzept nicht mehr bezahlbar gewesen sind.

1989 errichtete ein Familienmitglied die Gasthausbrauerei Aschinger in Berlin-Charlottenburg.

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