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9.12.03

Rezension: Willst Du die totale Pleite?

coverAm 15. November erschien das Buch "Willst Du die totale Pleite? Die zehn Wege zur erfolgreichen Gastronomie" von Andreas J. H. Hein im Heinrich-Hein-Verlag. Der Autor Andreas Hein ist Küchenmeister, Betriebswirt und selbständiger Unternehmensberater.

Der Ratgeber behandelt nicht das Thema, wie man einen krisengeschüttelten gastronomischen Betrieb sanieren kann ("turn around"), sondern er ist voller Tipps, wie Existenzgründer in der Gastronomie von Anfang an vermeiden können, in eine solche Situation zu geraten. Der Stil des Autors erinnert an amerikanische Ratgeberautoren. Er ist direkt, scharfzüngig und überspitzt. Einige Empfehlungen hätten eine differenziertere Betrachtungsweise verdient, etwa unter welchen Bedingungen bzw. für wen sie taugen oder auch nicht. Andererseits lesen sich Autoren, die sich nach allen Seiten absichern, eher langweilig. Dieses Buch wird von Gastronomen wohl nicht nach ein paar Seiten beiseite gelegt sondern von vorne bis hinten verschlungen.

Der Autor entwickelt auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr will er über die ersten Hürden einer Existenzgründung in der Gastronomie hinweghelfen. Er ist dabei kein "Gründungsberater" mit schnell veralteteten Informationen über Förderprogramme, sondern konzentriert sich auf die Konzeptentwicklung und hat seinen Schwerpunkt in der Nacheröffnungsphase, gibt aber auch Tipps für den laufenden Betrieb, von denen selbst gestandene Gastronomen profitieren können.

Vielen Tipps sieht man an, daß sie vor Fehlern bewahren sollen, die der Autor selbst gemacht hat oder denen er nur knapp entging. Sie reichen von allgemeinen Ratschlägen zum Verhalten und Auftreten wie etwa dem Umgang mit Lieferanten und Mitarbeitern bis hin zu technischen und organisatorischen Details.

Auf Brauereivertreter ist der Autor besonders schlecht zu sprechen. "Wirschaftlich lohnender ist es oft, mit Schutzgelderpressern oder der tschetschenischen Mafia als mit einer Brauerei zusammenzuarbeiten..." Damit hat der Autor zwar nicht unrecht, nützlicher wäre es aber gewesen, Kriterien zu benennen, anhand derer man Brauereien auswählt.

Fehler habe ich keine gefunden (ein großes Lob!). Statt auf eine Zusammenstoß mit der Gewerbeaufsichtsamt zu warten, rate ich eher dazu, die Zusammenarbeit vor der Eröffnung zu suchen. Aber vielleicht habe ich in Bamberg nur Glück, nicht auf Sesselfurzer zu stoßen.

Im Anhang findet sich eine Vielzahl von Rezeptvorschlägen für eine (schnelle) Bistroküche und eine Sammlung von Vorlagen zur Kontrolle und Kalkulkation, die Appetit machen sollen auf "Gastroworks", eine Software aus demselben Verlag.

Ich habe dies Buch zwei Münchener Journalisten, die eine Fernsehsendung über Existenzgründung in der Gastronomie vorbereiten und mich dafür interviewt haben, als ergänzende Lektüre empfohlen. Und auch sie haben von diesem Buch profitiert.